Die Jahre 1934 bis 1945

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler gewählt. Zunächst von der großen Mehrheit des Volkes als Hoffnungsträger betrachtet, der ein Ende des damaligen wirtschaftlichen und politischen Chaos’ versprach, etablierte Hitler in der Folge eine der schrecklichsten Diktaturen der Menschheitsgeschichte, die in der größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts mündete. Es soll jedoch nicht Aufgabe dieser Festschrift sein, diesbezüglich Ursachenforschung zu betreiben oder gar Schuldzuweisungen zu erheben, wie dies heute allzuoft geschieht, mit einem viel größeren Wissen über Hintergründe und Zusammenhänge als es zur damaligen Zeit den meisten Leuten jemals möglich gewesen wäre.

Ein besonderes Kennzeichen der Feuerwehr Dinkelscherben war und ist auch heute noch eine starke Kontinuität in der Wehrführung. So konnte am 11. Dezember 1933 Josef Kraus für seine 25jährige Tätigkeit als Vorstand geehrt werden. Als Zeichen besonderer Wertschätzung seiner langjährigen Vorstandschaft wurde er darüber hinaus am 12. Januar 1936 zum Ehrenvorstand ernannt und mit dem Ehrenkreuz des Bayerischen Landesfeuerwehrverbandes ausgezeichnet. Dieser Feuerwehrverband wurde im Zuge der Gleichschaltung von Staat und Gesellschaft im Jahre 1938 aufgelöst und auch über der Zukunft der Feuerwehr hingen dunkle Wolken. Am 16. Februar 1939 wurde auf Weisung des NS-Reichsinnenministeriums der Feuerwehrverein aufgelöst und die Vereinskasse von der NS-Kreisleitung eingezogen. Die Feuerwehr wurde in die Feuerschutzpolizei eingegliedert. An Stelle von Wahl der Führungskräfte durch die Mitglieder trat das „Führerprinzip" mit bedingungslosem Gehorsam.

Mit Kriegsbeginn 1939 lichteten sich die Reihen der Kameraden durch Einberufung, und in der Folge oftmals Tod und Verwundung. Zahlenmäßig schon sehr geschwächt, galt es für die Wehr am 16. September 1942 einen Brand in der Gastwirtschaft Mayr in Au zu bekämpfen. Stall und Stadel standen in Flammen, das Wohngebäude konnte gerettet werden. Die Wende des Kriegsglücks 1942/43 führte dazu, daß auch die Zivilbevölkerung immer stärker in den Krieg mit hineingezogen wurde. Massenhafte Flächenbombardements feindlicher Luftstreitkräfte zerstörten unzählige deutsche Städte, brachten Tod und Verderben.

Die wenigen, in Dinkelscherben verbliebenen Männer waren kaum mehr in der Lage, den Brandschutz zu gewährleisten, so daß am 7. Februar 1943 98 Frauen und Mädchen zum Feuerwehrdienst verpflichtet wurden. Am 1. Mai desselben Jahres wurden darüberhinaus 48 Jungen zum Feuerwehrdienst herangezogen. Bereits zu dieser Zeit wurden vereinzelte süddeutsche Städte von Luftangriffen heimgesucht, die Löscheinsätze ungeahnten Ausmaßes und nachbarschaftliche Löschhilfe unzähliger Wehren bzw. nun Feuerschutzpolizei-Einheiten erforderten. Dies führte unsere Wehr bis nach München. Dazu erhielt die Wehr am 5. Januar 1944 aus Beständen des Luftschutzes ein Löschgruppenfahrzeug vom Typ LF 15.

Von da an war die Feuerwehr mehr und mehr eingespannt in die Wirren des politischen Welttheaters, bei zahlreichen schweren Luftangriffen versuchte die Wehr, bestehend aus Jugendlichen, Frauen und alten Männern zu retten, was zu retten war. Oft vergeblich! Im folgenden einige Einsätze aus dieser schrecklichen Zeit:

25. Februar 1944: Schwerer Luftangriff Augsburg
13. April 1944: Luftangriff Augsburg
4. Juni 1944: Luftangriff München
12.–16. Juli 1944: Schwere Luftangriffe München
4. März 1945: Luftangriff Schwabmünchen

Als sich bereits das Kriegsende abzeichnete, griffen am 21. April 1945 feindliche Tiefflieger Dinkelscherben an. Sechs Anwesen in der Marktstraße gingen in Flammen auf. Getroffen waren die Anwesen Gleich (Lätlesbauer), Altstetter und Maischberger, Glink (Hofmüller), Remmele und Finkl. Nun war auch die eigene Heimat betroffen und die Wehr tat ihr Möglichstes, soweit dies die personelle und technische Situation angesichts dieses Großschadensereignisses erlaubte. Am 8. Mai 1945 endete in Europa der Krieg, der weltweit ca. 55 Millionen Opfer gefordert hatte. 17 Kameraden unserer Wehr waren von den Schlachtfeldern fern der Heimat nicht mehr zurückgekehrt.