Die Jahre 1946 bis 1949

Deutschland hatte mit der bedingungslosen Kapitulation aufgehört zu existieren. Nahezu alle bedeutenden deutschen Städte lagen in Schutt und Asche. Zahlreiche Männer waren vermißt oder in Kriegsgefangenschaft. Weit über 11 Millionen Deutsche sollten in den folgenden Jahren aus ihrer Heimat vertrieben werden und waren gezwungen, sich in den westlichen Landesteilen eine neue Existenz aufzubauen. In dieser Zeit unsäglicher Not, unter einem Besatzungsregime, das den Deutschen nicht gerade freundlich gegenüberstand, war es sehr bald dringend geboten, wieder gewisse Ordnungssysteme aufzubauen. Dazu gehörte neben kommunalpolitischen Institutionen wie Bürgermeister und Gemeinderäten natürlich auch die Feuerwehr. Fast genau acht Jahre nach seiner zwangsweisen Auflösung wurde am 1. März 1947 in einer dazu einberufenen Versammlung der Feuerwehrverein wiedergegründet. Zum provisorischen Vorstand wurde Sebastian Gleich, zum Kommandanten Josef Glink und zum stellvertretenden Kommandanten Georg Müller bestimmt. Glink löste Anton Vikari ab, der die Wehr seit 1944 geführt hatte. Als finanziellen Grundstock erhielt der Kassier Anton Markmiller 500.– RM aus der Feuerwehr-Sterbekasse, welche die Vereinsauflösung überdauert hatte.

Am 15. Juni 1947 mußte die Wehr einen Großbrand im ldw. Anwesen Gleich in Siefenwang (Deschenbauer) bekämpfen. Bei einer überraschend einberufenen Sitzung gab der Vorstand am 1. November 1948 bekannt, daß der neu eingesetzte Kommandant Glink sein Amt wieder zur Verfügung stellen werde. Nun galt es, wieder einen Kommandanten zu finden. Ein schwieriges Unterfangen in einer Zeit, als man, geprägt durch die Kriegserlebnisse, eher davor zurückschreckte, nochmals eine Uniform anzuziehen, bestimmte drillmäßige Übungen durchzuführen, geschweige denn einen Befehl zu geben bzw. ausführen zu müssen. Nach langen Diskussionen, die z.T. sehr leidenschaftlich geführt wurden, konnte der aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Anton Fischer, wenn auch nur sehr zögernd, für diesen Posten gewonnen werden. Nach Erscheinen der vorläufigen Richtlinien zum Bayer. Feuerwehrgesetz wurden die ersten Wahlen am 8. Januar 1949 im Gasthaus Vikari durchgeführt. Für den aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen Sebastian Gleich wurde Michael Steinbacher sen. in Abwesenheit zum Vorstand gewählt. Neuer Kommandant wurde der damals 26jährige Anton Fischer, sein Stellvertreter Georg Müller.

Am 12. Februar 1949 konnte der erste Feuerwehrball nach dem Kriege abgehalten werden. Die Wirtsleute Vikari beschafften neben dem damals üblichen „Dünnbier" zwei Faß „gutes Bier". Die Wehrmänner sammelten bei den Bauern Mehl und sonstige Zutaten, damit der Bäcker Brezen backen konnte. So erhielt dann am Ball jeder Feuerwehrangehörige 1 Liter Bier und dazu die frisch gebackenen Brezen. Am 23. April wurde erneut eine Versammlung einberufen, die personellen Probleme wollten kein Ende nehmen. Michael Steinbacher nahm den Vorstandsposten nicht an und auch Georg Müller trat wenige Monate später als stv. Kommandant zurück.

Daraufhin wurden Ludwig Kraus zum Vorstand und Anton Eberhardt zum stellvertretenden Kommandanten gewählt. Eine Zusammensetzung, die nun endlich Bestand haben sollte! Aus den ständigen personellen Veränderungen ist zu erkennen, wie schwierig der Neubeginn nach dem Krieg war. Die Älteren, die während des Krieges Feuerwehrdienst geleistet hatten, wollten möglichst schnell ausscheiden. Die Kriegsheimkehrer waren durch all die Enttäuschungen, die sie erlebt hatten, für diesen Dienst auch nicht gerade empfänglich. Dazu kamen die politischen Auseinandersetzungen in dieser bewegten Zeit, welche immer wieder Unruhe in die Bevölkerung brachten und so auch in die Feuerwehr.

Mit welchen Schwierigkeiten damals gekämpft werden mußte, schildert sehr anschaulich der folgende Bericht des damaligen Kommandanten und heutigen Ehrenvorstandes unserer Wehr Anton Fischer:

„Auch die Ausrüstung unserer Wehr war durch die Kriegseinwirkungen kaum mehr zu gebrauchen. Auf allen Gebieten mußte improvisiert werden, denn die Not war groß und an den Kauf von Geräten und Ausrüstung war nicht zudenken. Um das Helmproblem zu lösen, wurden Wehrmachtshelme eingesammelt und mit schwarzer Farbe gestrichen. Wir erfuhren, daß in der Türkenkaserne in München ehemalige Wehrmachtsjacken zu haben seien, das Stück zu 10.– Mark. Kurzentschlossen fuhren Vorstand Kraus und ich nach München und kauften 60 Jacken. Der in München wohnende Bruder des Vorstandes, Ferdinand Kraus, Besitzer eines Kaufhauses gab uns das Geld, um diesen Kauf tätigen zu können. Durch Herrn Moritz Bund, Chef der Amerikanischen Feuerwehr in Augsburg konnten wir Ausrüstungsgegenstände, Armaturen und Schläuche, ja sogar eine aus Wehrmachtsbeständen beschlagnahmte Motorspritze erhalten. Moritz Bund war für uns der große Helfer in schweren Zeiten.
Allmählich wuchs auch die Mannschaftsstärke, so daß eine für damalige Verhältnisse ansehnliche und gut ausgestattete Truppe entstand. Einige Beispiele, die die Schwierigkeiten von damals verdeutlichen: Es gab weder Telefon noch ein gemeindliches Mitteilungsblatt, um Informationen an den Mann zu bringen. Übungstermine, Versammlungen, Einladungen für Feuerwehrfeste mußten von Haus zu Haus, von Mund zu Mund weitergetragen werden. Es gab keine öffentlichen Verkehrsmittel, keine Kraftfahrzeuge, um an überörtlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Eine Fahrt mit der Bahn konnte man sich nicht leisten, weil es keinerlei Erstattung gab. So blieb nur das Rad als Verkehrsmittel, wobei die Bereifung absolute Mangelware darstellte. Große Probleme bereitete die Beschaffung von Dieseltreibstoff und Benzin für die Fahrzeuge bzw. Motorspritzen, die Beschaffung von Fahrzeugreifen war fast unmöglich."

Mit der Währungsreform 1948, der Verabschiedung des Grundgesetzes und der damit verbundenen Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 begann sich die wirtschaftliche und politische Situation – wenn auch nur in sehr kleinen Schritten – allmählich zu verbessern.