Die Jahre 1966 bis 1979

Die steigende Bedeutung von Erdöl als Brenn-, Treibstoff und in der chemischen Industrie führte bei Transport und Verarbeitung dieses Stoffes immer häufiger zu Unfällen mit all den negativen Folgen für Mensch und Umwelt. Daher wurden Mitte der 60er Jahre ausgewählte Feuerwehren in Bayern mit sog. Ölschadensanhängern zur Bekämpfung aller mit Mineralöl verbundenen Gefahren ausgerüstet. Als es im Kreis Augsburg um die Zuteilung eines derartigen Gerätes ging, fiel die Wahl natürlich wieder auf die FF Dinkelscherben, die ihre Schlagkraft und Einsatzbereitschaft in vielen Einsätzen bewiesen hatte. Wenig Begeisterung fand bei der Wehrführung allerdings die Idee eines Anhängers, der nie eigenständig, sondern nur mit einem Zugfahrzeug eingesetzt werden konnte. Mit viel Einsatz und Überredungskunst gelang es Kommandant Fischer, KBI Wiedemann und dem damaligen Landrat Wiesenthal, einem erklärten Freund der Feuerwehren, die genehmigenden Behörden zu überzeugen, die gesamte Ölschadensbeladung auf ein Fahrzeug, ähnlich einem Tragkraftspritzenfahrzeug zu verlasten. So konnte Landrat Wiesenthal am 6. Juni 1966 an die FF Dinkelscherben ein ÖSF vom Typ Ford FK 1000 mit Aufbau Bachert übergeben. Dieses Fahrzeug war das erste und einzige ÖSF weit und breit und stellte ein bahnbrechendes Novum dar. Dadurch erweiterte sich der Aufgabenbereich der Wehr entscheidend und führte zu einer Zunahme technischer Hilfeleistungseinsätze, einer Entwicklung, die bis heute anhält. Ein sehr wichtiges Sicherungsgerät bei Öleinsätzen ist der Pulverlöschanhänger P250, den die Wehr ebenfalls 1966 erhielt.

Leider mußte im gleichen Jahr das LF15 aus technischen Gründen ausgesondert werden, was die Schlagkraft der Wehr beeinträchtigte, da die finanzielle Situation des Marktes eine Ersatzbeschaffung nicht gestattete und somit auch kein Transportfahrzeug für die TS8 mehr vorhanden war. Dieses dringend notwendige Fahrzeug hätte allerdings im Gerätehaus keinen Platz gefunden, in dem die Verhältnisse inzwischen mehr als beengt waren. Der Wunsch nach e inem neuen Gerätehaus war bereits mehrfach von der Wehrführung vorgebracht worden, als der Marktrat im Jahre 1967 den Neubau eines Feuerwehrhauses an der Mödishofer Straße beschloß, der im Jahre 1969 begonnen wurde. Am 6. März 1969 wurde das TLF mit einem leistungsfähigen Fahrzeugfunkgerät ausgestattet. Der zur damaligen Zeit keineswegs selbstverständliche Fahrzeugfunk war in Dinkelscherben bereits Mitte der 60er Jahre eingeführt worden und führte zu einer wesentlichen Verbesserung der Einsatzleitung.

Herausragender Einsatz in diesem Jahr war das Hochwasser, welches Dinkelscherben am 7. und 8. Juni heimsuchte und groß angelegte Hilfseinsätze der Wehr, unterstützt von der Werkfeuerwehr FERRUM erforderte. Darüberhinaus erhielt die Wehr 1969 vier Atemschutzgeräte, die zur körperlichen Unversehrtheit eines Feuerwehrmannes bei Innenangriffen in Anbetracht giftiger Rauchgase dringend erforderlich sind. Ein Freudentag in der Geschichte der Wehr war der 25. April 1970, als das langersehnte neue Gerätehaus endlich bezogen werden konnte. Zwei Großbrände innerhalb von 14 Tagen waren im Juni 1970 in Maingründel und Schempach zu bekämpfen. Letzterer Brand nahm durch einen Unfall bei den Abräumarbeiten, den ein Familienmitglied des Brandgeschädigten mit dem Leben bezahlen mußte, eine besonders tragische Dimension an. Durch die Übernahme eines neuen LF8 vom Typ Hanomag/Henschel mit Aufbau Bachert am 8. 10. 1970 wurde nun auch die Ausrüstungslücke, die seit 1966 bestanden hatte, geschlossen. Am 4. Juli 1971 erhielt dieses Fahrzeug gemeinsam mit dem neuen Gerätehaus die kirchliche Weihe.

Zum 1. Juli 1972 wurden im Rahmen der kommunalen Gebietsreform die Landkreise Augsburg, Schwabmünchen, sowie Teile der Landkreise Wertingen, Donauwörth und Neuburg/Do. zum Großlandkreis Augsburg zusammengeschlossen. Die Organisation der Feuerwehren wurde dadurch insofern betroffen, als nun drei Kreisbrandinspektionen mit je einem KBI an der Spitze gebildet wurden. Über diesen Inspektionen stand der Kreisbrandrat, damals Karl Wiedemann aus Anried. Die FF Dinkelscherben zählte nun zum Zuständigkeitsbereich der Inspektion Mitte. Ebenfalls am 1. Juli wurde die Gemeinde Anried zu Dinkelscherben eingemeindet, der 1976 Ettelried und 1978 weitere sieben, bis dahin selbständige Gemeinden folgen sollten. Als weitere Verbesserung der Ausrüstung wurde in diesem Jahre ein Einsatzleitwagen des Landkreises vom Typ Ford Transit in Dinkelscherben stationiert. Um den dringend nötigen Personalnachwuchs zu gewährleisten, wurde am 22. Januar 1973 der Beschluß zurAufstellung einer Jugendgruppe gefaßt. Erster Jugendleiter war der Kamerad Alfred Fendt.

Die Unterbringung und Ausrüstung der Wehr war nun aufs Beste geregelt, so daß vom 13. bis 15. Juli 1973 das 100jährige Gründungsjubiläum im Rahmen eines großen Feuerwehrfestes begangen wurde. Das Amt des Schirmherrn dieses Festes, das als voller Erfolg bezeichnet werden konnte, übernahm der neue Landrat Dr. Franz-Xaver Frey. Als besondere Höhepunkte konnten Vorstand Kraus und Kommandant Fischer eine große Schauübung, ein Gastkonzert einer Kapelle aus Gargazon/Südtirol und einen Festzug mit vielen Wehren aus der näheren und weiteren Umgebung präsentieren. Eine Attraktion im Umzug war die Mitwirkung einer amerikanischen Marinekapelle, die gerade zu einem Gastspiel in Europa weilte.

Nach über 25jähriger Amtszeit trat Vorstand Kraus am 8. Juni 1974 aus gesundheitlichen Gründen zurück. Sein Nachfolger wurde Anton Fischer, der nun als Kommandant und Vorstand eine doppelte Belastung auf sich nahm. Ludwig Kraus wurde als Anerkennung für seine Verdienste am 15. Mai 1975 mit der Ehrenmedaille des Deutschen Feuerwehrverbandes ausgezeichnet und zum Ehrenvorstand ernannt. Kurz vor Jahresende wurde die Wehr am 19. Dezember 1975 zu einem Großbrand im Weiherhof zwischen Gessertshausen und Döpshofen gerufen. Klirrende Kälte, wodurch die Leitungen einzufrieren drohten, stellte bei diesemnächtlichen Einsatz eine besondere Anforderung an Mannschaft und Gerät dar.

Die Einführung der Anschnallpflicht in Kraftfahrzeugen zu Beginn der 70er Jahre bewahrte zwar viele Autofahrer bei Unfällen vor schweren Verletzungen oder Tod durch Herausschleudern aus dem Fahrzeug, führte aber auch dazu, daß verunfallte Personen oft in ihrem Wagen eingeklemmt wurden. Aus diesem Grunde wurden sehr bald mit massiver staatlicher Förderung ausgewählte und leistungsfähige Feuerwehren mit hydraulischem Rettungsgerät ausgestattet. So konnte die FF Dinkelscherben am 8. Dezember 1976 neben sechs anderen Wehren des Landkreises ein hydraulisches Rettungsgerät vom Typ „Hurst" übernehmen. Zusätzlich zu den Ölschadenseinsätzen erhielt damit die technische Hilfeleistung eine noch größere Bedeutung. Die nun von der Wehr erwartete schnelle Hilfe bei schwersten Verkehrsunfällen mit verstümmelten und oft auch toten Personen stellte überdies eine erhebliche psychische Belastung für die einzelnen Wehrmänner dar.

Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Albert Bürger, stattete am 25. Juni 1977 Dinkelscherben einen Besuch ab. Aus diesem Grunde gaben Bürgermeister Eser und Kommandant Fischer im Rathaus einen festlichen Empfang. Während eines Kirchganges verstarb am 5. Januar 1978 Ehrenvorstand Ludwig Kraus, der über ein Vierteljahrhundert an der Spitze des Feuerwehrvereins gestanden war. Vier Pferde, die in panischer Angst in die Flammen stürzten, wurden Opfer eines Großbrandes in einer Pferdeklinik in Fleinhausen am 3. Juni 1978. Mit stark verminderter Mannschaft mußte die Wehr am 23. Juli 1978 einen Brand im ldw. Anwesen Wessinger in Oberschöneberg bekämpfen, da ein Großteil der Aktiven an diesem Tag die Partnerfeuerwehr Weismain/Ofr. anläßlich deren 100jährigem Gründungsjubiläum besuchte. Bei der Jahreshauptversammlung am 31. März 1979 wurde der bisherige stellvertretende Kommandant, der damals 29-jährige Albert Lettinger, zum neuen 1. Kommandanten gewählt. Stellvertreter wurden Ernst Lutz und Alois Finkel.

Damit endete die über 30jährige Ära des Kommandanten Anton Fischer, in der sich die Wehr nach schwersten Aufbaujahren der Nachkriegszeit zu einer modern ausgestatteten Stützpunktfeuerwehr von überörtlicher Bedeutung entwickelt hatte. In Würdigung hervorragender Leistung für das Feuerwehrwesen war ihm bereits am 10.1.1979 das Dt. Feuerwehrehrenkreuz in Gold verliehen worden. Bei seiner Verabschiedung als Kommandant am 29.4.1979 wurde Anton Fischer zum Ehrenkommandant ernannt und ihm für 40-jährige Dienstzeit das Bayer. Feuerwehrehrenzeichen in Gold verliehen.