Die Jahre 1980 bis 1990

In den Folgejahren setzte sich der Generationswechsel, der bei der Wehrführung vollzogen war, auch bei den Gruppenführern und der Mannschaft fort. Die vor einigen Jahren verstärkt aufgenommene Jugendarbeit trug nun allmählich Früchte. Insbesondere bei den Gruppenführern und der Tagesalarmstärke machte sich allerdings immer noch der fehlende Nachwuchs bemerkbar. Ein Thema, das die Wehr schon bald nach dem Einzug beschäftigte, war die unzureichende Platzsituation im Gerätehaus.So nimmt es dann nicht Wunder, dass der neue Kommandant in seinem ersten Jahresbericht die geringe Größe des Unterrichtsraumes deutlich kritisierte. Das Jahr 1980 brachte die Beschaffung zweier weiterer Preßluftatmer auf die Gesamtzahl von sechs, nachdem die Bedeutung umluftunabhängigen Atemschutzes ständig gewachsen war. Bereits am 04.12.1980 beschloss der Verwaltungsrat der Wehr, für 1982 die Ersatzbeschaffung eines Tanklöschfahrzeuges bei der Gemeinde zu beantragen. Ein freudiger Tag für die Wehr war dann natürlich der 02.06.1981, als der Marktrat einstimmig der Beschaffung eines neuen Tanklöschfahrzeuges zustimmte. Weniger erfreulich hingegen war ein schwerer Verkehrsunfall am 24.10.1981 zwischen Dinkelscherben und Ustersbach, der den Einsatz des Rettungssatzes erforderlich machte.Zwei Tote forderte dieser Unfall, bei welchem ein junger Mann aus Dinkelscherben frontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammengeprallt war. Für die beteiligten Wehrmänner war dies nicht nur eine körperliche, sondern auch eine psychische Belastung.

Am 1.1.1982 trat das Bayerische Feuerwehrgesetz in Kraft und löste damit das Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 17.5.1946 ab.Durch das neue Gesetz waren nun die Freiwilligen Feuerwehren gemeindliche Einrichtungen, während sich bisher die Gemeinden der Feuerwehrvereine bedienten. Die Feuerwehrvereine sollten jedoch weiter bestehen mit der Aufgabe der Bereitstellung des Einsatzpersonals. Der Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens in Anried am 21.09.1982 ragte unter den 21 Einsätzen dieses Jahres heraus.

Am 17. Mai 1983 war es dann so weit. Das neue Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 auf Fahrgestell Mercedes-Benz 1019 AL konnte beim Aufbauhersteller Bachert in Bad Friedrichshall abgeholt werden. Damit stand der Wehr ein zeitgemäßes Fahrzeug für den Erstangriff zur Verfügung. Überdies war es mit einem neuen Rettungssatz Weber SP 30/S 90 ausgestattet, welchen die örtliche Firma Fischer unentgeltlich als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Dieses Gerät ermöglichte eine wesentlich leichtere Handhabung als der nach wie vor im Einsatz befindliche, aber doch sehr unhandliche Rettungssatz Hurst. Die Schlagkraft der Wehr erhöhte sich dadurch auch in taktischer Hinsicht, da fortan durch das weiterhin genutzte alte TLF zwei schlagkräftige Zentraleinheiten im Löscheinsatz zur Verfügung standen, welche auch unabhängig eingesetzt werden konnten.

Bereits kurz nach der Indienststellung erlebte das neue TLF seine erste Bewährungsprobe, als am 11.07.1983 bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Kreisstraße nahe Reischenau zwei eingeklemmte Personen befreit werden mussten. Ein besonders erschütternder Umstand war dabei die Tatsache, dass der Fahrer in Sichtweite seines Privathauses sein Leben lassen musste. Im Rahmen einer kleinen Feier wurde in diesem Jahr auch das 110-jährige Gründungsjubiläum begangen, anlässlich derer dann auch das TLF seinen kirchlichen Segen erhielt. Zwei Großbrände innerhalb von nur zwei Wochen hielten die Wehr im September in Atem. Nachdem am 02.09.1983 das Sägewerk Guggemos in Fleinhausen ein Raub der Flammen geworden war, rief am Abend des 14.09.1983 die Sirene die Wehrmänner von neuem zu ihrer schweren Pflicht. Das in Vollbrand stehende landwirtschaftliche Anwesen Zott in Au forderte alle Kräfte der Wehr und durch beherzten und umsichtigen Einsatz konnte ein Übergreifen der lodernden Flammen auf das Wohnhaus verhindert werden. Über zwei Tage waren die Männer bei Einsatz, Brandwache und anschließenden Abbrucharbeiten im Dienst für den Nächsten.

Zum Ende des Jahres wurde am 23.11.1983 ein Einsatzleitwagen des Katastrophenschutzes vom Landkreis in Dinkelscherben stationiert. Den bisherigen ELW Ford Transit kaufte der Feuerwehrverein für 1000 DM und stellte ihn der Wehr als Mannschaftstransportwagen/ELW zur Verfügung. Außerdem erhielt die Wehr in diesem Jahr vier Chemieschutzanzüge und einen Gasspürkoffer des Landkreises, insbesondere für die ortsansässige Firma Witty-Chemie.

Das Jahr 1984 brachte in der Wehrführung eine Veränderung in der Hinsicht, dass der auch in der Mannschaft sehr beliebte, hochengagierte Gruppenführer Werner Mornhart zum neuen zweiten Kommandanten gewählt wurde. Dieses Amt sollte er zwölf Jahre inne haben und sich dabei als ein herausragender und kameradschaftlicher Feuerwehrführer profilieren. Und wieder brachte Kommandant Lettinger in der Jahreshauptversammlung Anfang 1985 die Sorgen der Wehr auf den Punkt, als er die unhaltbaren Zustände im viel zu kleinen Unterrichtsraum des Gerätehauses reklamierte. Ein Einsatz im Rahmen der nachbarschaftlichen Löschhilfe führte die Wehr am 12.08.1985 in den Zusmarshauser Ortsteil Wollbach, wo ein landwirtschaftliches Anwesen in Vollbrand stand. Im Folgejahr waren zwei Großbrände am 31.03.1986 in Ried und am 13.11.1986 im Ortsteil Au zu bekämpfen. Dort war aus ungeklärten Gründen der Dachstuhl eines älteren Wohnhauses in Brand geraten. Der schnelle Einsatz der Wehr erhielt den Bewohnern ihr Heim, welches nach umfassendem Wiederaufbau des Daches wieder bewohnbar war. Das Jahr 1987 schien bis Dezember ein Jahr ohne größeren Einsatz für die Wehr zu werden, als am Nachmittag des zweiten Weihnachtsfeiertages die festtägliche Ruhe des Marktes jäh unterbrochen wurde. Vermutlich wegen überhöhter Geschwindigkeit kam es auf der Kreisstraße A1, ca. 1 km ostwärts von Dinkelscherben zu einem folgenschweren Frontalzusammenstoß zweier PKW. Zwei Tote – darunter der Unfallverursacher, ein bekannter und beliebter junger Mann aus dem Ort – und eine schwerverletzte Person mussten mit hydraulischem Rettungsgerät aus den völlig zertrümmerten Fahrzeugen befreit werden. Dieser mehrstündige Einsatz bildete für die Wehrmänner ein abruptes Ende der ruhigen und friedvollen Weihnachtszeit. Auch 1988 wurde die Wehr zu mehreren schweren Verkehrsunfällen gerufen und musste insgesamt drei Personen mit Spreizer und Schere befreien. Überdies waren die Wehrmänner am 26.06.1988 beim Großbrand eines Bauernhofes in Schempach gefordert. Die Gesamtzahl der Einsätze lag mit 22 im üblichen Bereich.

Bei der Jahreshauptversammlung am 15. April 1989 wies Kommandant Lettinger in aller Deutlichkeit auf die sich immer mehr verschlechternde Platzsituation im Gerätehaus hin und forderte einen Neubau auf einem Gemeindegrundstück im neuen Baugebiet „Herrenroth". Dem möchte der Chronist anfügen, dass dieses Grundstück trotz dieser klaren Forderung wenige Jahre später von der Gemeinde zur Errichtung der Montessorischule verkauft wurde. Von der Regel, dass jedes Jahr mindestens ein Großbrand zu bekämpfen ist, machte auch dieses Jahr keine Ausnahme. Am Vormittag des 23.08.1989 bekämpfte die Wehr gemeinsam mit der FF Anried einen Brand in einem ldw. Anwesen in Engertshofen. Ein neues Aufgabenspektrum der Wehr, die Beseitigung von Insektennestern entwickelte sich auch in dieser Zeit und ist bis heute eine Dienstleistung, die von vielen Bürgern geschätzt wird, aber eines zusätzlichen Zeitaufwandes der Aktiven bedarf.

Ein Ereignis, das zwar nicht unmittelbar im Zusammenhang mit der Feuerwehrgeschichte steht, das aber letztlich wohl alle Bereiche des öffentlichen Lebens und der Gesellschaft berührt hat, war der Zusammenbruch des DDR-Unrechtsregimes im Herbst dieses Jahres, welches in der Maueröffnung am 9. November gipfelte. Dinkelscherben war davon insofern betroffen, dass der starke Zustrom von DDR-Bürgern in den Herbsttagen 1989 dazu führte, dass die Jugendheimturnhalle vorübergehend als Notquartier eingerichtet werden musste. Herausragendes politisches Ereignis war im Jahre 1990 sicherlich die Wiedervereinigung am 3. Oktober. Bis vor kurzem noch in das Reich der Phantasie verwiesen, war nun die Zusammenführung der beiden deutschen Staaten freudige Realität geworden. In den Folgejahren sollte sich dieser Vorgang natürlich mittelbar auch auf die Feuerwehren auswirken, in Hinsicht auf Fördermittel und Beschaffungsvorhaben, die zunächst natürlich mit erhöhter Priorität in den neuen Bundesländern getätigt werden mussten. Aber auch der Zustrom von Neubürgern und feuerwehrtaktische Grundsätze der DDR führten zu gewissen Veränderungen in den Wehren.

Erfreulich für die FF Dinkelscherben war in diesem Jahr die Übernahme eines neuen Mehrzweckfahrzeugs Mercedes-Benz 308 D als Ersatz für den nun doch arg rostgeplagten Ford Transit am 19.12.1990. Der „jährliche Großbrand" war am 30.06.1990 in Kühbach zu verzeichnen, als gemeinsam mit den Wehren aus Ried, Breitenbronn und Ustersbach der Brand eines Bauernhofes bekämpft werden musste.